Erich Kästner schrieb die Romanvorlage bereits 1933, sie wurde bislang 3x verfilmt.
(1954, 1973, 2003)
Dabei gab es zunehmende Änderungen und Anpassungen an der Handlung, die aus den geänderten gesellschaftlichen

Rahmenbedingungen resultieren. 1973 haben sich die Banden noch nach Herzenslust gegenseitig im Film vermöbelt,
das würde heute keiner mehr so verfilmen, weil “political incorrect”.
Die Prügeleien gibt es natürlich immer noch – nur “filmt” man das mit dem Handy

und stellt das ins Internet.

Oder der Nichtraucherwaggon mit dem auf “Raucher” drehbaren Emailschild !
Inzwischen nicht mehr vorstellbar und für die jüngere Generation zur Erklärung: Es gab bei der Eisenbahn getrennte Nichtraucher- und Raucherabteile grob in einer 50/50 Aufteilung.
Sogar auf Flügen wurde gequarzt, die Lungenwürstchen saßen dort im hinteren Teil des Flugzeuges und fröntem dem Nikotin !

Auch viele andere Details haben sich inzwischen deutlich verändert:
Der Film ist eine charmante Zeitreise die frühen 70er Jahre.
Frisuren, Klamotten, Autos und das Bamberger Stadtbild fallen natürlich besonders auf; aber es sind auch Kleinigkeiten wie Baukräne, Türschlösser, Wienerwald-Filialen, Schilder etc.

München – Riem

Der Film entstand überwiegend in Bamberg, die Szenen im Flughafen zu Beginn und Schluß des Filmes drehte man jedoch in München, am alten Flughafen in Riem,
der am 16. Mai 1992 geschlossen wurde und binnen einer Nacht zu seinem Nachfolger ins Erdinger Moos umzog. Geblieben ist der IATA-Code MUC.

Bamberg

Aufseeanium
Das Filminternat ist auch im wirklichen Leben ein Internat, gegründet bereits 1738.
Die Aufseßstrasse direkt vor dem Tor  0:14:31
Kloster Michelsberg
Der Hof des Klosters und das Zufahrtstor ist mit einigen Realschülern bei 0:26:14 noch einmal zu sehen.
0:26:18
Sandbad
Die Realschüler entführen Rudi mitsamt den Diktatheften (ab 0:17:04 )
0:17:09
0:17:19
Ganz kurz schaut ein Realschüler bei 0:26:12 aus der Dachgaube von Haus Nr. 11
städtische Forstverwaltung
Der rauchende “Nichtraucher” wohnt in einem ausgemusterten Eisenbahnwaggon, der auf dem
Gelände der städtischen Forstverwaltung ganz im Südosten von Bamberg stand.
Gleich neben dem Areal verläuft die Hauptstrecke nach Nürnberg bei Kilometer 58,8.
Man erkennt im Hintergrund eine typische Reichsbahnoberleitung mit festen Auslegern,

wie sie in den 30er Jahren gebaut wurde, und in dieser Gegend bis heute (2022) noch punktuell vorhanden ist.
Auch das ebenfalls heute noch vorhandene Betonschalthäuschen des inzwischen aufgelassenen Bahnüberganges “Am Tännig” ist immer wieder zu sehen, und einmal rauscht ein Nahverkehrszug mit “Silberlingen” durchs Bild.

Das Grundstück, auf dem der Waggon stand, ist inzwischen völlig hinter einer Hecke verborgen;
auf dieser Ansicht wie bei 1:01:11 erkennt man links ein Gebäude des benachbarten Wasserwerkes und den unveränderten Strommasten; das Dach der Forstverwaltung halbrechts ragt im Film ein wenig über den Waggon hinaus.

Der Waggon selber ist der ehemalige RAG 9, er lief bis zu seiner Ausmusterung Mitte der 60er Jahre bei der privaten Regentalbahn AG im Bayerischen Wald.
Er ist erhalten geblieben und steht heute wieder nahe seiner früheren Wirkungsstätte
im Bayerischen Localbahnmuseum in Bayerisch Eisenstein.
Innenstadt Bamberg
Nach dem Besuch beim Nichtraucher sammeln sich die Internatsschüler bei einem Lauf durch
die Bamberger Altstadt. Los geht es bei 0:22:27 am Brucknersteg…  
(zztl etwa 10m flussaufwärts durch einen Neubau ersetzt)
weiter bei 0:22:39 über die Geyerswörthbrücke,
0:22:42   Der eigentliche Kamerastandpunkt war auf der im Vordergrund erkennbaren Wehranlage;
diese ist aber nicht öffentlich zugänglich.

danach ab 0:22:44 an der Kirche “Zu unserer lieben Frau” durch die Pfarrgasse,
0:22:48
ab 0:22:50 über die untere Brücke am alten Rathaus,
0:22:53
bei 0:22:56 geht es über den Grünen Markt, 
(Kamera stand in den oberen Etagen des Eckhauses zur Keßlerstrasse)
bei 0:23:06 durch den Torbogen am Sandbad / städtisches Bauamt
bis man wenige Meter weiter einen Innenhof des ehemaligen Dominikanerklosters erreicht;
heute der rückwärtige Biergarten des “Schlenkerla”.
Von hier will man einen Vertreter zu den Realschülern schicken, während die anderen auf

dessen Rückkehr warten.
0:25:56


Der Nichtraucher verdient sich im “Zum tollen Hund” etwas Geld als Kneipenpianist.
Die Lokalität ist eine Bamberger Institution: Das “Schlenkerla” in der Dominikanerstrasse 6,
1405 erstmals urkundlich erwähnt und überregional bekannt für das gleichnamige Rauchbier.


Alte Hofhaltung
Auch die Realschüler sammeln sich, hier ist bei 0:26:20 kurz die Alte Hofhaltung zu sehen.
Hohenlohestrasse 7
Ab 0:27:40 treffen sich die beiden Gruppen in einem Neubaugebiet,
um ihre Meinungsverschiedenheiten auszuraufen.
Dort ist eine Großbaustelle, neben dem Treffpunkt steht ein einzelner Rohbau;

der war der erste Bauabschnitt eines größeren Wohnkomplexes.
Drehort für diese Szenen ist das heutige Babenberger Viertel, eine reine Neubausiedlung,
in der sich in den einzelnen Bauphasen die jeweils aktuellen Bausünden
des jeweiligen Jahrzehntes studieren lassen…..
Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war wohl erst einmal das Zentrum des Viertels um die
Schlüsselberg- und Hohenlohestrasse geplant.
Wenn man die Blickachsen der vorhandenen älteren Gebäude im Film auf ein heutiges Luftbild überträgt,
landet man an der Westseite der heutigen Hohenlohestraße 7;

und die gesamte Fassade paßt genau zu dem im Film sichtbaren Rohbau.
Wenngleich inzwischen alles rundherum zugebaut & zugewachsen ist.

Kasernstrasse
Nachdem die Realschüler ihre Zusagen bezüglich der Freilassung von Rudi und der Rückgabe der Diktathefte nicht einhalten wollen, nehmen Johnny, Matz & Sebastian die Sache selber in die Hand.
Sie entdecken den Gefangenen im Tiefparterre des Hauses Kasernstraße 11.
0:31:24

0:31:52
Rosengarten
Nachdem Dr. Robert Uthofft (“Nichtraucher”) wieder als Arzt arbeitet, entwickelt sich eine Beziehung zu der Schulschwester Beate, die er ab 1:13:00 ins Cafe Rosengarten einlädt, direkt hinter der neuen Residenz.
1:13:06
1:14:06
Allgemeines Krankenhaus
Der Sprung von Uli aus dem 3. Stock endet trotz Regen(-fall-)schirm mit einem gebrochenen Bein
und einem Krankenhausaufenthalt.

Er liegt im allgemeinen Krankenhaus, Untere Sandstrasse 32, erbaut etwa 1730, erweitert 1789;
es wurde 1984 nach Eröffnung des Klinikums Bamberg geschlossen.
Heute ist hier das “Welcome Hotel Residenzschloss Bamberg

1:17:28

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6 Kommentare

  1. Ich fande den Beitrag auch sehr interessant,habe den Film oft als Kind angeschaut.Danke für die kurze Zeitreise durch Bamberg.

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  2. Gruss aus Karlsruhe. Ich Baujahr 1964 habe den Film „Das fliegende Klassenzimmer“ sehr oft gesehen. Der Grund das ich mir mit meiner besseren Hälfte Bamberg letzten Sommer (2022) bei schönstem Wetter selbst einmal angeschaut habe. Eine wunderschöne Stadt. Haben auch alle Dreh-Locations gefunden. Bei der Prügel Szene vermuteten wir die Volkfeldstr. 2 als Drehort. Was wir trotz vielem Google’n und Augen offen halten nicht gefunden haben, ist das Haus von Prof. Kreuzkamm mit der Terrassen Szene. Aber vllt wurde diese Szene ja garnicht in der Gegend von Bamberg gedreht?
    Liebe Grüße
    Martin und Ira

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    1. Hallo Martin,
      ich muß Dir zustimmen, Bamberg ist immer eine Reise wert, auch die angrenzende Fränkische Schweiz ! Die Volkfeldstrasse war bei der Lokalisierung der Bandenprügelei recht hilfreich, denn auf der Nordseite standen schon bei den Dreharbeiten seit einigen Jährchen etliche Häuser; allerdings mit etwas Abstand. Man konnte die passabel erkennbaren Gebäude gut in einem heutigen Luftblid erkennen und daraus den Ort der Prügelei ableiten. Die Terrasse von von Professor Kreuzkamm muß ich mir erst einmal ansehen, die hatte ich seinerzeit nicht gesucht.
      viele Grüße
      Wolfgang

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